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Retrospektive 2016 – Geliebt und verdrängt: Das Kino der jungen Bundesrepublik Deutschland

© Deutsches Filminstitut - DIF

Die Retrospektive des 69. Festival del film Locarno ist dem westdeutschen Kino der Nachkriegszeit von 1949 bis 1963 gewidmet.

Das Festival del film Locarno blickt mit seiner Retrospektive erneut auf ein Nachbarland, um eine weniger bekannte Seite dessen Filmschaffens ans Licht zu bringen. In Partnerschaft mit dem Deutschen Filminstitut wird das Festival im Rahmen seiner 69. Ausgabe Filme zeigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der jungen Bundesrepublik Deutschland entstanden sind. Diese waren ein grosser Publikumserfolg, gerieten aber mit dem Aufkommen des Neuen Deutschen Films Mitte der Sechzigerjahre rasch in Vergessenheit.

Die Retrospektive ist das Ergebnis einer langen Recherchearbeit. Unter der Leitung der Kuratoren Olaf Möller und Roberto Turigliatto will sie ein neues Licht auf eine Filmproduktion werfen, deren Interesse sowohl in ihren kulturellen und produktionstechnischen Aspekten als auch im Wert der einzelnen Werke liegt. Diese wurden in einem ausgeprägt kosmopolitischen Kontext realisiert. Bekannte Regisseure wie Fritz Lang und Robert Siodmak kehrten nach dem Krieg in ihre Heimat zurück und drehten dort die letzten Filme ihrer Karriere, ausländische Filmemacher lebten und arbeiteten in Deutschland. Zudem beleuchtet das Programm eine umfangreiche Anzahl Filme, die einer bedeutenden Gruppe von Regisseuren – darunter Géza von Radványi, Harald Braun oder Peter Pewas – Gelegenheit boten, in innovativer und origineller Weise auf der Klaviatur des Genrefilms zu spielen. Der eigentliche Fokus der Retrospektive liegt auf der Filmproduktion der BRD und ihren einflussreichen Meistern wie Helmut Käutner oder Wolfgang Staudte. Sie präsentiert aber auch ein paar Werke, die von der DEFA in der DDR produziert wurden und heikle Themen behandeln, die keinen Eingang in die westdeutschen Produktion fanden. Der Einblick in ein Filmschaffen, das reichhaltiger und vielschichtiger ist, als generell angenommen, wird durch eine Reihe von Werken abgerundet, deren Genre oft am Rande des Spektrums steht: Animation, Dokumentarfilm, Avantgarde und experimenteller Film.

Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Festival del film Locarno, sagt: «Ich bin mit den Filmen der Nouvelle Vague aufgewachsen und schätze den frischen wind, den sie mit sich brachte. Gleichzeitig finde ich es wichtig, das Kino der Fünfzigerjahre ohne Vorurteile zu betrachten und es zu würdigen. Das westdeutsche Kino, dem wir  nun unsere Retrospektive widmen, ist ein hervorragendes Beispiel  einer Kunst, die viel zu schnell abgeschrieben und als rein kommerzielles Produkt angesehen wurde. “Geliebt und verdrängt” zeigt die Vielfalt und den Reichtum eines Kinos, das nicht nur eine Generation, die versuchte ihre Identität wieder aufzubauen, geprägt hat, sondern auch das heutige Filmschaffen beeinflusst, wie es die jüngsten Filme von Petzold und Graf bezeugen.»

Die Retrospektive wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filminstitut, Frankfurt am Main, und mit der Beteiligung der Cinémathèque suisse und German Films organisiert. Das Deutsche Filminstitut publiziert einen Katalog, der programmbegleitend auf Deutsch und Englisch erscheinen wird. Die Publikation, die von Olaf Möller und Claudia Dillman, die Direktorin des Deutschen Filminstituts, herausgegeben wird, kommentiert und vertieft die in der Retrospektive behandelten Themen.
Am Projekt sind weitere angesehene Institutionen aus der Schweiz und dem Ausland beteiligt, welche das deutsche Kino der Nachkriegszeit bis ins Jahr 2017 auf ihre Leinwände zurückholen werden. In der Schweiz wird die Retrospektive nach Locarno noch an weiteren Orten zu sehen sein: bisher haben die Cinémathèque suisse in Lausanne, das Kino Rex in Bern und das Filmpodium in Zürich ihre Kooperation bestätigt. Das Programm wird weiter in Deutschland präsentiert, genauer gesagt im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt, im Zeughauskino in Berlin, im Filmmuseum Düsseldorf, im Metropolis Kino Hamburg und in der Caligari FilmBühne in Wiesbaden, sowie in Portugal in der Cinemateca Portuguesa.  In Italien wird das Programm vom Festival I Mille Occhi in Triest und vom Museo Nazionale del Cinema in Turin übernommen. “Geliebt und verdrängt” beendet seine Reise 2017 in den USA, wo die Filmreihe von der Film Society of Lincoln Center in New York und der National Gallery of Art in Washington vorgeführt wird.

Das 69. Festival del film Locarno findet vom 3. bis am 13. August 2016 statt.

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